Leben in Hannover: südstadt

Zur Zeit wird gefiltert nach: südstadt

Plätze in Hannover (2) – Der Stephansplatz

12.10.10 | Richard Birkefeld
Stephansplatz in Hannover, Wochenmarkt
Frisches Obst gibt es auf dem Markt am Stephansplatz in Hannover en masse. Foto: R. Birkefeld

Am Freitag ist auf dem Stephansplatz-Markt. Er gehört wohl neben dem Molkteplatz und dem Lindener Markt zu den schönsten Schauplätzen cerealischer Darbietungen. Dann tummeln sich zwischen Geibel- und Bandelstraße, flankiert von den alten Gründerzeithäusern und bewacht vom Höger-Bau an der Osterley, die Südstädter zwischen den unzähligen Ständen, auf der Suche nach frischem Gemüse, Obst, Fisch, Geflügel, Wurst, Käse oder Blumen.

Die zwei Kaffeestände sind dicht umlagert und der wöchentliche Kampf um Koffein und Stehtische gipfelt schon mal in lautstarken Auseinandersetzungen zwischen den Generationen, zumeist dann, wenn allein zwei oder drei junge Mütter mit ihren Kinderwagen mehrere leerstehende Stehtische und andere freie Sitzgelegenheiten blockieren. Dann kocht die Südstädter Rentner-[...]

Der Engesohder Friedhof – Ein Stück morbider Nostalgie

08.06.10 | Richard Birkefeld

Er ist wohl Hannovers schönste letzte Ruhestätte - der zwischen 1861 und 1864 von Stadtbaumeister Ludwig Droste angelegte Engesohder Friedhof an der Orli-Wald-Allee zwischen Hildesheimer Straße und dem Maschsee.

Dort liegt das hannoversche Bürgertum begraben, dort fanden die bekannten Söhne und Töchter der Stadt ihre Grabstätten und Gedenksteine. Vom Maler Kurt Schwitters oder dem Lyriker Karl Krolow, von Karl Jatho, dem Flugpionier über die Ausdruckstänzerin Yvonne Georgi bis zu Ernst von Bandel, dem Erbauer des Hermann-Denkmals an der Porta Westfalica, erzählen die Grabsteine von der ehemaligen Existenz ihrer berühmten Toten.

Aber es sind nicht nur die Gräber der namhaften Hannoveraner, die den Engesohder Friedhof so anziehend machen, es sind die unzähligen Familien-Grabstätten an den[...]

Café Zwischendurch – Espresso XXL mit Schlagsahne

15.04.10 | Richard Birkefeld
Gehe ich ins Café und Bistro „Zwischendurch“, weiß ich, dass ich laute Impulse brauche, deftige und frivole Geschichten aus der Nachbarschaft, Klatsch über Kuppeleien und Klüngel des illustren Stammpublikums, die sich in das Gästebuch eintragen wie Bergsteiger ins Gipfelheft. Denn hier ist der Kunde König, hier wird er gnadenlos gepampert und bis zum Abwinken mit Infos über die unterschiedlichen Aktivitäten der Gäste gefüttert.

Mittelpunkt, Kompostierer und Verteilerin ist Marnie, die eloquenteste Expertin aller Kaffeebrüher zwischen Maschsee und Sallstraße, zwischen dem Aegidientorplatz und dem Altenbekener Damm. Marnie ist eine Seele von Mensch, gebürtige Römerin, und wohnt mit ihrer Familie schon seit Jahren in Hannover. Sie unterrichtet abends in der Volkshochschule italienisch und betreibt tagsüber das Café Zwischendurch inkl. Quelle-Filiale und Hermes-Paketdienst an der Ecke Böhmer-/Mendelssohnstraße.

Ihr Mann hat die Fläche vor dem Bistro mit Straßenmöbeln inszeniert, als säße man in einem Wohnzimmer. Hin und wieder übt er sich in Marnies Vertretung, wenn diese verhindert ist, doch der Gäste Aufschrei nach Marnies baldiger Rückkehr hallt dann schnell durch die ruhigen Straßen der Südstadt.

Denn Marnie[...]

Hannoversche Treffpunkte (3) – Die Putte auf dem Fisch

06.04.10 | Richard Birkefeld
Das erste Rendezvous frischverliebter Hannoveraner erfolgt ja oft Unter'm Schwanz oder an der Kröpcke Uhr. Wer sich hingegen schon etwas länger kennt, bevorzugt den kleinen Bereich am Nordufer des Maschsees zwischen Säule, Wassertreppe und Karpfenputte als Treffpunkt. Die ersten Küsse sind bereits ausgetauscht, die ersten Liebesnächte bewältigt – jetzt gilt es, das kulturelle, intellektuelle oder sportive Fundament der jungen Beziehung in gemeinsamen Aktivitäten zu festigen.
Die Putte, H. Scheuernstuhl, 1936 (Foto: R. Birkefeld)

Nur wenige Meter vom beidseitig markierten Kilometerstein entfernt, können die Jogger, Inline-Skater, Radfahrer, Walker und Flaneure ihre Maschsee-Tour beginnen, um je nach Kondition, eine oder mehrere Sechs-Kilometer-Runden zu drehen.

Aber auch die Wassersportler kommen auf ihre Kosten. Gleich an der Putte ist der Anleger für Tret-, Paddel-, Ruder- und Segelboote. Wer eher das Gespräch sucht und sich anstrengungsloser über das Wasser bewegen will, kann die Maschseedampfer nutzen, die ebenfalls von hier aus zu ihrer einstündigen Rundfahrt starten.

Wiederum andere verabreden sich hier, um die nahe gelegene AWD-Arena aufzusuchen, um dort einem 96er-Heimspiel oder Open-Air-Konzert beizuwohnen zu, andere gar, um ihr gemeinsames Glück im Casino am Maschsee zu versuchen.

Diejenigen, die gegenüber[...]

Buongiorno – So kann man den Tag bewältigen!

19.03.10 | Richard Birkefeld
Wer wie ich gezwungen ist, den größten Teil des Tages vor dem Rechner zu sitzen, um entweder komplizierte historische Zusammenhänge lesbar darzustellen oder infame Charaktere einander meucheln zu lassen, braucht mehrmals am Tag Besinnung, Entspannung und Inspiration. Dann muss man raus, vor die Tür und ins nächste Café, um bei einem koffeinhaltigen Getränk seine Gedanken neu verorten und in die richtige Reihenfolge bringen zu können.
Ein inspiratives Plätzchen (Foto: R. Birkefeld)

Ich gehe dann stets ins Buongiorno, Sallstraße 73, um bei Dimi, dem freundlichen Mitbesitzer, einen Café Latte bzw. Espresso zu trinken oder einen gepflegten Chianti zu schlotzen.

Das Bistro ist klein, aber äußerst geschmackvoll eingerichtet, und Dimi und seine Frau achten penibel darauf, dass Essen und Getränke stilvoll präsentiert werden. In der Küche wird alles frisch und liebevoll zubereitet. Eine Spezialität des Hauses sind die selbstgebackenen und leckeren Frühstücksbrötchen, eine weitere das Weinangebot, dessen Qualität und Auswahl für ein kleines Bistro bemerkenswert ist. Die Gerichte und die alkoholischen Getränke haben erschwingliche Preise (kein Essen über 10 Euro) und liegen deutlich unter dem in diesem Stadtteil üblichen Preisniveau.

So, wie der kleine Kolibri auf dem Logo des [...]

Die Wohlfühlstadt in Zahlen

08.03.10 | Susanne Mischke
Jetzt haben wir es schriftlich. Der Oberbürgermeister hat eine aufwändige Studie zur Zufriedenheit von Hannovers Bürgern in Auftrag gegeben, und nun liegt das 250 Seiten starke Werk vor. Um es vorweg zu nehmen: Die Hannoveraner sind mit ihrer Stadt sehr zufrieden, denn 88% der Bevölkerung lebt gern oder sehr gern in dieser Stadt, womit man im Städtevergleich in der Spitzengruppe liegt. Nun aber weiß man auch, wie sich diese Zufriedenheit verteilt.
Südstadt, Hinterhof, hannover,
Hinterhofidyll in der Südstadt Foto:S. Mischke

Am glücklichsten sind die Menschen laut der Studie im Stadtteil Zoo (95%), Kirchrode (94%) und in Waldhausen (94%), was wohl niemanden wundert. Aber auch Wülferode im äußersten Südosten erreicht einen Zufriedenheitswert von 94%, gefolgt von Isernhagen-Süd mit 90% und den Stadteilen Südstadt und Oststadt mit 89%. In Linden Nord und Linden-Mitte ist man mit 84 und 85% auch nicht unzufrieden mit der Lebensqualität, jedoch leben nur 53% der Bewohner von Linden-Süd gerne in ihrem Kiez. Die niedrigsten Werte haben Hainholz (21%), Stöcken im äußersten Nordosten mit 31% und Mittelfeld mit 44%.

Speziell mit „ihrem“ Viertel glücklich sind im Schnitt 77% der Hannoveraner. Am meisten wurde über „Verkehrsprobleme“ geklagt –Baustellen, Staus etc. Dies Problem wird Oberricklingen und Wettbergen am[...]

Tante Minchens gute Stube

29.01.10 | Susanne Mischke
Okay, es gibt schickere Kneipen als Tante Minchens gute Stube, auch in der Südstadt. Dennoch ist Tante Minchen eine Institution, und das schon seit dem Jahr 1875. Seither hat sich an der Einrichtung auch nicht viel geändert: Die Deckenbalken sind schwarz, ob vom Altern oder vom Qualm der Generationen von Gästen, man weiß es nicht.
Tante Minchen, Südstadt, Kneipe
Tante Minchens gute Stube - Deftiges in der Südstadt Foto: S. Mischke

Gleich neben der langen Theke prunkt ein riesiger Kachelofen, der allerdings, leider, nur noch Dekorationszwecke erfüllt. Tante Minchen liegt an der Hildesheimer Straße, direkt gegenüber der Gilde-Brauerei (U-Bahnhof Altenbekener Damm) und man erkennt es gleich am knallroten Anstrich. Das Lokal musste in den letzten Jahren einige Besitzerwechsel hinnehmen, es hat erst im Herbst 2009 nach längerer Schließung wieder neu eröffnet.

Minchen ist eine typische Vorstadtkneipe, ein Ort, für dessen Besuch man sich nicht unbedingt aufbrezeln muss und an dem man ungestört mit Freunden klönen kann. Na ja, ganz ungestört auch nicht, man sollte vielleicht ein gewisses Faible oder zumindest Toleranz gegenüber Country-Musik aufbringen, sonst wird der Abend kein Genuss. Überhaupt ist Tante Minchen etwas[...]

Die Gilde-Brauerei - eine Institution in Gefahr

15.01.10 | Susanne Mischke
Die Gilde ist nicht nur die älteste Brauerei der Stadt, sondern auch das älteste Unternehmen Hannovers. Im Jahr 1526 braute Cord Broyhan ein neues obergäriges Bier, das nach ihm benannt wurde. Zwanzig Jahre später hatte sich die „Brauergilde“ gebildet, ein Zusammenschluss von Grundbesitzern auf deren Grundstücken Braurechte lagen. Sie ließ sogar die ihren eigenen kupfernen Broyhan-Taler prägen.
Gilde, Brauerei, Gilde-Brauhaus
Gilde-Brauerei in Hannover, Foto: S. Mischke

Sie ließ sogar die ihren eigenen kupfernen Broyhan-Taler prägen. Es dauerte noch bis 1609 bis der Rat der Stadt Hannover die Brauergilde als Rechtperson anerkannte.

Im Jahr 1870 übernahm die Braugilde Hannover das prächtige Gebäude in der Südstadt, Hildesheimerstraße Ecke Altenbekener Damm. Um diese Zeit herum wuchs das Unternehmen zur Großbrauerei heran und wurde überregional bekannt.

Im vergangenen Jahrhundert expandierte die Gilde immer mehr, übernahm u. a. 1925 die Lindener Aktien-Brauerei. In den Siebzigern baute man die Anlage in der Südstadt zu einer der modernsten der Welt um, in den achtziger Jahren wurden etliche Brauereien aus dem Umland aufgekauft (Wolters, Hasseröder, Brauhaus Wülfel). Der legendäre „Bölkstoff“ - nach der Comicfigur Werner - in Flaschen mit Schnappverschluss[...]

Wienerwald-Restaurant – Das letzte seiner Art

30.12.09 | Richard Birkefeld
Man glaubt es kaum! Aber in nahezu jeder deutschen Großstadt hat mindestens ein Wienerwald-Restaurant überlebt. In Hannover fand es seine gastronomische Nische am Stephansplatz in der Südstadt, dort, wo zumeist alteingesessene und traditionsbewusste Anwohner eher auf Althergebrachtes schwören, als sich neumodischem Finger-Food aus der Burger-Kultur hinzugeben. Hier weiß man noch Backhendl und Hühnerherzen zu schätzen und das eingeschweißte Zitronentüchlein mit Grandezza zu benutzen.
Lecker Hähnchen am Stephansplatz Foto: R. Birkefeld

Lange bevor amerikanische Fast-Food-Ketten Deutschland überschwemmten, beherrschte ein Tycoon die Chicken- und Pommes-Szene: Friedrich Jahn. Der österreichische Selfmademan gründete 1955 in München das erste Wienwald-Restaurant, dem bis 1980 noch 1.535 weitere folgen sollten, mit über 27.000 Mitarbeitern weltweit. Sogar das New Yorker Waldorf Astoria beherbergte eine Filiale. Das hat McDonald's bis heute noch nicht geschafft.

Auch in Hannover gab's in allen größeren Stadtteilen Filialen. Unvergessen für alle Lister und Vahrenwalder war das Wienerwald-Restaurant gegenüber der Reitschule an der Ecke Husaren-/Vahrenwalder Straße. Ein wahrer Fresstempel für die ganze Familie!

Oder etwa der riesige Wienerwald am Thielenplatz an der Ecke zur feinen Theaterstraße... Jeden Tag war der Laden[...]

Linden - List - Südstadt!

03.11.09 | Susanne Mischke
Als ich meinen Umzug vom Land in die Stadt plante, war für meine Freunde klar: „Du musst nach Linden ziehen.“ Linden, das ist das Kreuzberg von Hannover. Das Kreuzberg der Achtziger, wohlgemerkt.
Hannover-Südstadt, Wochenmarkt, Stephansplatz
Wochenmarkt am Stephansplatz. Foto: S. Mischke Foto: Susanne Mischke

Die Lindener fühlen sich in ihrem Stadtteil so dermaßen wohl, dass das Überqueren von Leine oder Ihme ohne triftigen Grund als Hochverrat gilt. Nur im quirligen, weltoffenen, linken, grünen, Multikulti-Linden, dem Linden mit den vielen Kneipen und den pittoresken Kiosken, nur dort also kann man als Kulturschaffende, Kreative angemessen leben.

Nordstadt? Zu trashig. Herrenhausen? Kein Thema. Allerhöchstens geht noch die List, aber eigentlich ist die List schon zu yuppie, zu trendy, zu Schickimicki, zu latte-macchiatisiert. Gibt natürlich, zugegeben, ein paar sehr schöne Altbauwohnungen dort, und ein paar angesagte Kneipen, ja, okay. Also wenn in Linden gaaar nichts geht, dann ist die List gerade noch akzeptabel.

Seit vier Monaten wohne ich in der Südstadt.

„Was? Du ziehst in die Südstadt?“[...]

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