Leben in Hannover: city

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Hannovers Treffpunkte (2) – Kröpcke und die Uhr

10.03.10 | Richard Birkefeld
Die Anziehungskraft der City bestand für die Hannoveraner seit dem Ausbau der Ernst-August-Stadt mit Bahnhof, Opernhaus und Georgstraße nicht nur in den vielfältigen Warenangeboten der Kaufhäuser und Geschäfte, die sich in diesem Teil der Stadt konzentriert hatten, sondern auch in der ebenfalls ständig gestiegenen Zahl von Restaurants, Vergnügungsstätten und Cafés. Hierbei gebührt unter letzteren dem Café Kröpcke bzw. dem Mövenpick der erste Platz.
Treffpunkte, Hannover
Warte, warten, warten... Foto: R. Birkefeld

1869 wurde der ungewöhnlich konstruierte Caféhaus-Pavillon von Otto Goetze errichtet und nannte sich nach seinem damaligen Besitzer „Café Robby“. 1876 verpachtete Robby das Café an Wilhelm Gierke und neun Jahre später an Wilhelm Kröpcke, der auch Pächter blieb, als Gierkes Erben das Grundstück an den Magistrat verkauften. Hinter dem Gebäude lag der Cafégarten, der 2.500 Menschen Platz bot.

Bereits 1872 zockelte die erste Pferdebahn am neuen Café vorbei, und ein Jahrzehnt später stand es, nachdem die Durchbrüche zur Karmarsch- und Grupenstraße die Bahnhofstraße zum Altstädter Markt geöffnet hatten, an der bedeutendsten Straßenkreuzung des modernen Hannovers.

Die Kröpcke-Uhr, die Hannovers Bürger 1885 als „Wettersäule“ gestiftet hatten, wurde bis heute zum beliebtesten Treffpunkt der Stadt.[...]

Kastens Hotel Luisenhof – Zeitgeist und Tradition

22.02.10 | Richard Birkefeld
Zu Hannovers großen Traditionsunternehmen muss auf alle Fälle Kastens Hotel Luisenhof gerechnet werden. Seit 154 Jahren bietet es in der Luisenstraße den anspruchsvollen Gästen und Besuchern der Stadt komfortable Übernachtungsmöglichkeiten in zentraler und exklusiver Lage. Im Jahre 2008 wurde es als erstes Hotel in der Stadt mit 5 Sternen ausgezeichnet.
Hotel, Innenstadt, Hannover
5-Sterne-Hotel in der City (Foto: R. Birkefeld)

Die abwechslungsreiche Geschichte des Hotels beginnt im Jahre 1856, als der aus Kohlenfeld bei Wunstorf stammende Heinrich Kastens in unmittelbarer Nähe zum königlichen Hoftheater, nämlich in der Theaterstraße 9, ein Haus erwarb, es elegant einrichtete und in den folgenden Jahren zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Hannover führte. Auch Kaiser Wilhelm II. stieg stets im Luisenhof ab, wenn er in Hannover weilte.

Nach dem Tode Heinrich Kastens setzte sein Sohn Friedrich den Hotelbetrieb fort. Zunächst wurde die ganze Fassade im Jahre 1906 im Jugendstil umgestaltet und mit dem Neubau des zweiten Hauses in der Luisenstraße begonnen. Zwischen 1914 und 1916 entstand dort ein weiteres komfortables Hotel mit 130 Betten in Bahnhofsnähe. Alles, was in jenen Jahren bis zum Ausbruch des 2.[...]

Die Georgstraße – Hannovers „Prachtboulevard“.

15.02.10 | Richard Birkefeld
Die Georgstraße besteht aus zwei Teilen. Da ist erstens der sogenannte geschäftige Abschnitt vom Steintor bis zum Kröpcke mit seinen Billigläden und Großkaufhäusern wie Karstadt oder C&A; und der vornehme Teil mit den Luxusgeschäften auf der einen und dem Opernhaus auf der anderen Straßenseite, der vom Kröpcke bis zum Aegidientorplatz reicht. Die Georgstraße bildete schon im 19. Jahrhundert den Grundstein zu Hannovers City-Bildung.
Boulevard Georgstraße
Boulevard Georgstraße, Foto: R. Birkefeld

Die schnelle Aufwärtsentwicklung des städtischen Wirtschaftslebens nach 1870 führte im Georgstraßenbereich dazu, dass die Bebauung um 1880 geschlossen und viele vor der Jahrhundertmitte errichteten Bauten wie z.B. die große Kaserne oder das Polytechnikum durch wirtschaftlich zu nutzende Bauten ersetzt wurde. Dennoch behielt die Georgstraße, vor allem in ihrem vornehmen Bereich, viel von dem ihr einst 1822 nach der Schleifung der Stadtwälle zugedachten Promenadencharakter bei, was nicht zuletzt den ausgedehnten Grünanlagen in diesem Abschnitt zu verdanken war.

Die Grünanlagen am Aegi, Georgs- und Theaterplatz gehörten zu den ersten Gestaltungen des städtischen Gartenamtes, das 1880 eingerichtet worden war.

Diese Schmuckplätze entlang der Georgstraße glichen kleinen Parkanlagen, die zum[...]

Hannoversche Treffpunkte (1)

08.02.10 | Richard Birkefeld
Seit knapp 150 Jahren verabreden sich die Hannoveraner „unterm Schwanz.“ Unter dem Schweif eines bronzenen Pferdes, um genau zu sein. Der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Treffpunkt für Verliebte, Freunde, Bekannte, Durchreisende und Messegäste ist Ernst Augusts Reiterdenkmal vor dem Hauptbahnhof. Generationen von Menschen trafen und treffen sich am Granitsockel, um gemeinsam in der Stadt etwas zu unternehmen.
Ernst-August-Denkmal, Hannover
Das Ernst-August-Denkmal (Foto: R. Birkefeld)

Die Inschrift mit dem berüchtigten hannoverschen Genitiv „Dem Landesvater sein treues Volk“ nimmt kaum jemand zur Kenntnis, wenn vielleicht auch die Formulierung „Wir treffen uns unterm Schwanz von Ernst August seinem Pferd“ die damalige Widmung rechtfertigt.

Im Grunde ist die Platzierung des Reiterdenkmals vor dem Bahnhof der reinste Hohn. Zu Beginn seiner Regierungszeit (1837) sagte Ernst August noch, dass er keine Eisenbahn in seinem Lande dulden würde, weil er nicht wolle, dass jeder Schuster und Schneider so rasch reisen könne wie er. Zehn Jahre nach seinem Tode wurde 1861 das Denkmal auf dem Bahnhofsvorplatz errichtet.

Es ist bezeichnend, dass er dem Bahnhof, den er nicht gewollt hatte, den Rücken kehrt und in der Uniform des Gardehusaren als anachronistisches Relikt verhaltenen[...]

Verlust für den Hauptbahnhof - Gosch ist weg

03.02.10 | Susanne Mischke
Bisher gab es für mich im Hauptbahnhof Hannover fast nur eine kulinarische Anlaufstelle, und das war Gosch. Genauer gesagt waren es die Matjesbrötchen des Sylter Fischhändlers. Nirgendwo waren die so zart und lecker, die Zwiebeln so mild und süßlich –kurz gesagt, ein Genuss.
Gosch, Gosch-Sylt, Hannover-Hauptbahnhof
Ein Bauzaun an Stelle von Gosch - ein herber Verlust. Foto: S. Mischke

Zwar war man hinterher nicht mehr uneingeschränkt gesellschaftsfähig, aber das war die Sache allemal wert. Hatte man etwas mehr Zeit, dann konnte man hinten im Restaurant in angenehm maritimer Atmosphäre gepflegt köstlichen Fisch speisen und einen ordentlichen Riesling dazu trinken. Doch was musste ich dieser Tage mit blankem Entsetzen wahrnehmen? Wo dieser Fischtempel bis vor kurzem war, nämlich unter Gleis 13, steht nun ein Bauzaun. Plakate verkünden, dass an selbiger Stelle demnächst eine Nordsee-Filiale eröffnen wird. Das wäre ungefähr so, als ob in München an der Stelle von Dallmayr ein Aldi oder ein Kochlöffel-Grill aufmachen würde.

Also: Wer immer das Verschwinden von Gosch aus dem Bahnhof zu verantworten hat, dem sei gesagt … okay, ich behalte meine Gewaltphantasien für mich und[...]

Der Kubus – Forum für zeitgenössische Kunst

01.02.10 | Richard Birkefeld
1962 bekam der Archtitekt Dr. Müller-Heppe vom Städtischen Hochbauamt den Auftrag, zusammen mit dem Neubau der Volkshochschule einen angegliederten Ausstellungsraum zu entwerfen, der als Forum für die zeitgenössische hannoversche Kunstszene genauso dienen sollte wie für interessante Ausstellungen unterschiedlichster Art. Es entstand ein fensterloses kubisches Gebäude, dessen schmucklose Fronten lediglich durch Erich Hausers Plastik unterbrochen werden.
Kunst, Kubus, Hannover
Kubus - quadratisch - praktisch - gut! Foto: R. Birkefeld

Die Glasbrücke, die den Kubus mit der Volkshochschule verbindet, ist gleichzeitig auch der Verbindungsgang zwischen Ausstellungsraum und Vortragssaal. Diese Kombination ist geradezu prädestiniert, Eröffnungsveranstaltungen mit großem Publikumsandrang bewältigen zu können.

Die 340 qm große Präsentationsfläche mit ihren vier Meter hohen Wänden eignet sich genauso hervorragend als Darstellungsraum spektakulärer Ausstellungen wie die untergeschossigen Räumlichkeiten, die häufig für kleinere Kunst-Events genutzt werden.

Das Kulturbüro der Landeshauptstadt als Veranstalter legt einerseits besonderen Wert auf die Präsentationsmöglichkeiten junger KünstlerInnen, Ateliergemeinschaften oder Künstlergruppen als auch andererseits auf die Zusammenarbeit mit Hannovers Partnerstädten und deren Kunstszenen.[...]

Der Goldene Winkel – Idylle im Herzen der Stadt

26.01.10 | Richard Birkefeld
Während samstags am Marstall der Parkplatzsuchverkehr in Endlosschleifen rotiert oder das überfüllte Parkhaus in der Schmiedestraße Rückstaus bis zum Steintor produziert, und die Menschen über die Kramer- und Seilwinderstraße in die Altstadt oder Großkaufhäuser einfallen, verirren sich weder Fußgänger noch Kraftfahrzeuge in das kleine Wohnviertel rund um die Kreuzkirche. Hier fließen die urbanen Menschen- und Warenströme einfach nur vorbei.
Hannover, goldener Winkel
Menschenleere Gassen (Foto: R. Birkefeld)

Im Westen bildet das Hohe Ufer und der Klostergang mit der Leine eine natürliche Barriere, Burg- und Knochenhauerstraße lenken den Verkehr nur in Richtung Schloß- bzw. Leinstraße, so dass das Karree mit dem Goldenen Winkel, der Kreuzstraße und dem Trollmannweg eine ruhige Wohninsel bildet.

Nur wenige Hannoveraner kennen die nachts geschlossenen kleinen Schleichwege, die einerseits direkt vom Marstall-Kiez, andererseits von der schmalen Burgstraße zur Kreuzkirche führen.

Die Kirche, die dazugehörigen Verwaltungsgebäude, ein Dutzend gut erhaltener Fachwerkhäuser und das Restaurant „Kreuzklappe“ (in den 20er Jahren eine verrufene Unterweltskneipe, in der Nazizeit ein SA-Sturmlokal) sind noch altstädtischen Ursprungs, die umliegenden Gartenhäuser sind erst in der Nachkriegszeit entstanden.

Da ich[...]

Der Georgspalast – Geschäftshaus und Varieté

13.01.10 | Richard Birkefeld
Im Zuge der sogenannten „Citybildung“ veränderte sich das Gesicht der Georgstraße. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden viele Wohnhäuser durch wirtschaftlich zu nutzende Neubauten ersetzt, weil diese höhere Rendite versprachen. So wurde auch das dreistöckige Wohnhaus in der Georgstraße 23 abgerissen und 1913 von einem fünfgeschossigen Geschäftshaus abgelöst – dem bis heute unverändert gebliebenen „Georgspalast“.
Traditionsreiches Varieté in einem traditionsreichen Gebäude Foto. R. Birkefeld

Dieses Gebäude galt als Musterbeispiel für ein im Stadtzentrum errichtetes Geschäftshaus, hinter dessen Fassade man einen städtischen Mikrokosmos vorfinden konnte, der in kleinerem Maßstab die kulturellen und geschäftlichen Angebote der City widerspiegelte.

Im Erdgeschoss standen dem Kunden die unterschiedlichsten Verkaufsläden zur Verfügung. Büroräume des Dienstleistungsgewerbes verteilten sich neben Anwaltskanzleien und Arztpraxen über die Stockwerke. Fortbildungseinrichtugen wie die berühmte Berlitz School hatten hier ebenso ihre Räumlichkeiten gefunden, wie Hannovers bekanntester Restaurations- und Vergnügungsbetrieb „GOP“.

Das „Café-Restaurant Georgspalast“ entwickelte sich bis in die Zwanziger Jahre hinein nicht nur zum beliebtesten Treffpunkt unter den hannoverschen[...]

Das Ernst-August Karree

07.01.10 | Susanne Mischke
Unweit vom Hauptbahnhof findet man mitten in der Stadt eine architektonisch sehr ansprechende Oase der Ruhe, einen scheinbar vergessenen Winkel: die Adresse Ernst August-Platz 10, besser bekannt als Ernst August-Karree.
Ernst August-Karree, Hannover, Bahnhof, Eisenbahndirektion
Ernst August - Karree Foto: S. Mischke

Das Ernst August-Karree wurde in den Jahren 2002-2003 in seiner jetzigen Version erbaut. Davor war es die Königliche Eisenbahn-Direktion. Nach dem ursprünglichen Plan sollte das Gebäude der Ostflügel einer 300 Meter langen dreigliedrigen Bahnhofsanlage sein, die jedoch in dieser Form nie zustande kam. Das lichte, mit Glas überdachte Viereck ist umgeben von dreigeschossigen Wänden im Stil der Berliner Neorenaissance.

Wohltuend hell ist es da drinnen, sogar an trüben, regnerischen Tagen, und auch fast immer sehr ruhig, denn die „Ladenpassage“ besteht lediglich aus zwei Geschäften - dem von mir favorisierten Küchenladen One Kitchen und einem Geschäft für – ich nenne es mal Nippes und Krimskrams der gehobenen Klasse. Es gibt darin ein Restaurant, die Brasserie Bruxelles. Dort herrscht eine[...]

Das Alte Rathaus – Hannovers Hochzeitsschmiede

04.12.09 | Richard Birkefeld
Hier wird schon lange keine Kommunalpolitik mehr betrieben, obgleich die Entscheidungen, die heute in den noch verbliebenen Amtsräumen getroffen werden, nicht folgenlos für den hiesigen Wohnungsmarkt sind: Im altehrwürdigen Wahrzeichen der Stadt befindet sich das Standesamt Hannover. Vor dem Eingang in der Köbelingerstraße regnet es Reis auf halbstündlich wechselnde Brautpaare, und die Sektkorken knallen im Takt des Hochzeitsmarsches.
Altes Rathaus Foto: R. Birkefeld

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