Ihme-Zentrum, das bedeutet Beton. Etwa 110.000 Quadratmeter, aufgeteilt in 60.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, eine durchgehende Ladenpassage, eine zweistöckige Tiefgarage und 2000 Wohnungen.
Der verwinkelte und unübersichtliche Komplex mit den bis zu 20 Stockwerke hohen Hochhaustürmen ist im reinsten Brutalismus gehalten – der Name dieser architektonischen Stilrichtung kommt vom französischen Wort béton brut und spricht für sich.
Bei seiner Errichtung war das Ihme-Zentrum eine der umfangreichsten Baustellen mit dem größten gegossenen Betonfundament Europas. Von Anfang an gab es große Akzeptanzprobleme. Dennoch wurden von den 2000 Wohnungen 550 verkauft. Diese Wohnungen sind heute praktisch unverkäuflich.
Die Eigentümer der Wohnungen mussten schon viele Krisen durchstehen: Den Niedergang des Einkaufscenters, die nie realisierten Umbaupläne aus den neunziger Jahren, den jahrelangen Stillstand unter der Regie des Investors Engel, zuletzt das Scheitern des neuen amerikanischen Investors Carlyle, der sich verspekuliert hatte. Die umfangreichen Bauarbeiten am geplanten Einkaufszentrum „Linden-Park“ hatten bereits begonnen, als die Fondsgesellschaften des US-Investors Anfang des Jahres 2009 Insolvenz anmeldeten.
Auf eine Vermietung an private Nutzer scheint man kaum noch zu hoffen, schon seit einigen Jahren wird der Komplex nur noch durch die Stadt selbst künstlich am Leben gehalten, die u. a. die Stadtwerke dort einquartiert hat. Nach der Renovierung sollte auch noch die Polizeidirektion dorthin abkommandiert werden – dieser Plan wurde inzwischen zurückgenommen.
Im Ihme-Zentrum leben derzeit rund 2400 Menschen: Am längsten die Wohnungseigentümer, die ihr Zentrum trotz allem lieben und unter der Stigmatisierung leiden. Andrerseits gibt es sozial schwächere Mieter, die teilweise Alkohol- und Drogenprobleme haben. Zudem leben dort ausländische Familien, Senioren, Studenten. Alle auf einer Bauruine, denn in den Rohbauten der beiden Ladenebenen herrscht Stillstand, während das Leben für die Bewohner der Wohnhochhäuser weitergeht. Doch der Alltag ist beschwerlich. Wegen der Bauzäune, die die verlassene Baustelle überall begrenzen, gleicht der Weg zu den Wohnungen einem Hindernislauf. Teilweise müssen die Anlieger auf Lastenaufzüge umsteigen, über Hintereingänge durch übel riechende Gänge laufen, die auch für die Müllentsorgung und so manchen Drogendeal genutzt werden. Besonders nachts wird so der Weg ins traute Heim schnell zum ungewollten Abenteuer.
Nun hat die Landesbank Berlin (LBB) ein Konzept für die Sanierung des Ihme-Zentrums in Hannover vorgelegt.
Ziel ist es, im Frühjahr 2011 den Umbau der Gewerbeflächen fortzusetzen – bis dahin soll ein Investor gefunden werden. Für die Menschen, die dort wohnen (müssen), kann man nur die Daumen drücken, dass es endlich weitergeht im „Linden-Park“.
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